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Geschichte des Budosports Philosophie und Gedankengut Technisches Kata

Die Geschichte des Budo
Budo
"Budo" bedeutet "der Weg des Krieges" und ist ein Oberbegriff für alle Japanischen Kampfkünste. Budo entstand während der Edo-Periode (1600 bis 1868) aus dem "Bujutsu" (Kunst des Krieges) heraus. Die Edo-Periode war eine sehr kriegsarme Zeit. Das bedeutete für die Samurai, dass sie nicht viel zu tun hatten. Darum begannen sie, sich über die Techniken Gedanken zu machen und sie zu studieren. Bujutsu (und später Budo) wurde ursprünglich ausschliesslich von Samurai betrieben.

Der Weg nach Japan
Die Ursprünge des Budo liegen in Indien, wo bereits vor etwa 3000 Jahren spezielle Kampftechniken entwickelt wurden. Von dort aus fanden sie den Weg nach China und Japan, wo es seit über 1000 Jahren ausgeübt wird. In China entwickelte sich daraus u. a. das Kung Fu, in Korea Sportarten wie Tae Kwon Do.
Die Samurai
Im Laufe des 9. Jh. stiegen in Japan die Samurai auf. Ihre Aufgabe war der Schutz ihres Fürsten, von dem sie wertvolle Güter und Ländereien geschenkt erhielten, dessen Leben sie aber im Gegenzug mit ihrem eigenen Leben verteidigen mussten. Die Samurai bildeten eine eigentliche Kriegerkaste, d. h. eine eigene soziale Schicht. In diese Schicht aufzusteigen war fast unmöglich, jedoch konnte ein Fürst einen Samurai aus seinen Diensten ausschliessen. Diesem blieb dann eigentlich nur eine Möglichkeit: die, rituellen Selbstmord, Seppuku, zu begehen. Wer dies nicht tat, streifte als "Ronin" durch das Land. Ronin-Banden machten zeitweise als Räuber und Wegelagerer die grossen Routen im Japanischen Reich unsicher. Die grösste Schande für einen Samurai war es, wenn sein Fürst im Krieg oder durch Gewalt starb und er selbst dabei überlebte - selbst wenn er gar nicht am Ort des Geschehens war.
Die Samurai kannten verschiedene Kampfsysteme, die je nach der eingesetzten Waffe benannt wurden. So gab es beispielsweise Kenjutsu (Schwertkunst), Bojutsu (Stockkunst) oder Jujutsu (ohne Waffen).
Im Jahre 1869 verloren sie durch ein neues Gesetz ihren privilegierten Status. Es wurde ihnen verboten, als Samurai in der Öffentlichkeit aufzutreten, sie mussten bürgerliche Berufe wählen und ihr Äusseres den zeitgemässen Sitten anpassen (z. B. ihre langen Haare, die sie zu einem Knoten aufgebunden trugen, abschneiden).

samurai1
Jigoro Kano
jigorokano

Jigoro Kano wurde am 28. Oktober 1860 in Mikage in der Nähe von Kyoto geboren. Während seiner Schulzeit wurde er von muttersprachlichen Lehrern in Fremdsprachen unterrichtet, was ihm später sehr zugute kam. Ab 1877 erlernte er in den Schulen Tenjin Shinyo-Ryu, Kito-Ryu und Yoshin-Ryu die jeweiligen Jujutsu-Techniken. An der Tokyoter Universität studerte Kano Literatur, Politik und Politische Ökonomie. Sein Studium beendete er 1881. Bereits im darauf folgenden Jahr 1882 gründete er seine eigene Ju-Jitsu-Schule, den Kodokan. Er nannte seine Techniken "Judo". Da eine andere Schule ihre Technik ebenfalls Judo nannte, mussten beide Schulen gegeneinander zum Kampf antreten, denn nur eine Schule durfte ihre Technik so nennen. Jigoro Kanos Schüler gewannen den Kampf mit 15 : 0. Kodokan-Judo war "geboren".
Er formulierte die Grundsätze "sei ryoku zen yo" (bestmöglicher Einsatz der Energie) und "ji ta kyo ei" (Wohlergehen für alle), führte ein Wettkampfsystem und die Dan- und Kyu-Grade ein .
Nebst seiner Tätigkeit am Kodokan war Jigoro Kano als Pädagoge an mehreren Hochschulen tätig. Er sorgte dafür, dass Judo als Schulsport eingeführt wurde, dass überhaupt Sport als Schulfach Pflicht für alle wurde, auch für Mädchen. Er hatte erkannt, dass Bewegung und körperliche Betätigung für das Lernen von unschätzbarer Bedeutung sind. 
Kano war ab 1909 das erste japanische Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Als solches nahm er 1922 an den Olympischen Spielen in Amsterdam teil. Sein Ziel war es, Judo zur Olympischen Sportart zu machen. Leider war es ihm nicht vergönnt, dies noch zu erleben. Er starb am 4. Mai 1938 auf hoher See, auf der Rückreise von einer Konferenz des IOC in Kairo, wo er Tokyo als Austragungsort der 12. Olympiade vorgeschlagen hatte.


Die Entwicklung der Trainingsschwerpunkte
Bis 1882 bestand das Judotraining aus Randori und Kata. Erst ab 1882 wurde das Üben der Kata ins Zentrum gerückt. Randori diente als freie Übung. Ab 1920 kam Shiai (Kampf) als zusätzlicher Schwerpunkt dazu. Im asiatischen Raum wird diese Entwicklung fortgesetzt. Anders verläuft die Entwicklung in der westlichen Welt. Hier bildet das Randori den Schwerpunkt im Training und dem Kämpfen kommt ein hoher Stellenwert zu. Kata hingegen wird nur nebenbei gelehrt und von vielen Judo- und Ju-Jitsuka nur im Hinblick auf Danprüfungen geübt.

Judo als Wettkampfsport
Es dauerte recht lange, bis sich Judo international als Sportart und erst recht als Wettkampfsportart durchsetzen konnte. 1956 fanden die ersten Weltmeisterschaften der Männer statt, erst 1980 die der Frauen. Vorerst dominierten die Japaner diese Sportart. Die Holländer waren die ersten, die mit Anton Geesink im Jahr 1961 einen nicht-japanischen Weltmeister stellten.
Bis zur Aufnahme des Judo als Olympische Disziplin verstrichen nochmals mehrere Jahre, bis es 1964 für die Männer und 1992 schliesslich auch noch für die Frauen anerkannt wurde.
Auch die Schweiz hatte ihren Olympiasieger im Judo: 1980 errang Jürg Röthlisberger im Mittelgewicht die Goldmedaille und sorgte damit für einen (vorübergehenden) Boom dieser Sportart in der Schweiz. Bis heute konnte kein weiterer Schweizer Judoka an diesen Erfolg anknüpfen.
Die erfolgreichsten Schweizer Judo-Kämpfer sind momentan Sergei Aschwanden, David Papaux, Dominique Hirschier, Lena Göldi, Juliane Robra und Esther Durtschi.


Judo in der Schweiz
Professor Hanho Rhi, ein Koreaner, brachte Judo 1925 in die Schweiz. Er gründete 1929 in Zürich den ersten Judoclub. 1937 war er schliesslich wesentlich mit beteiligt an der Gründung des Schweizerischen Judoverbands. Seither hat sich das Judo und mit ihm auch das Ju-Jitsu in der Schweiz stetig verbreitet. Der Schweizerische Judo und Ju-Jitsu-Verband koordiniert heute die Ausbildungen der Dan-Träger, reglementiert Prüfungen und ist verantwortlich für die Förderung des Nachwuchssports und des Kaders.

Ju-Jitsu
Die "sanfte Kunst" ist vor allem in Europa seit wenigen Jahrzehnten verbreitet. Die Internationale Ju-Jitsu Föderation (IJJF) wurde 1977 von Deutschland, Frankreich und Schweden gegründet. Die zunehmende Popularität verdankt das Ju-Jitsu den neuen Disziplinen Ju-Jitsu Fighting-System und Duo-System. Als Selbstverteidigungssport ist es aber äusserst zeitgemäss und auch für Jugendliche sehr geeignet.
Im Ju-Jitsu finden Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaften im Fighting-System und im Duo-System statt.

World Games
Da Ju-Jitsu keine Olympische Sportart ist, nehmen Ju-Jitsu-Kämpfer an den World-Games teil, die seit 1981 ebenfalls alle vier Jahre stattfinden. Seit 1997 ist Ju-Jitsu an den World Games mit den Disziplinen Fighting-System und Duo-System vertreten. Die Schweiz gehört im Duo-System zu den Spitzennationen, stellt sie doch gegenwärtig gleich zwei Weltmeister-Paare im Duo-System:

Erni-Erni WM2008 Müller-Müller WM2008
Antonia und Alexandra Erni, JJC Kiai Cham
Weltmeisterinnen Duo-System Frauen 2008 in Malmö
haben als Mädchen auch eine Zeit lang bei Guido Serafini trainiert...

Remo und Pascal Müller, BC Dojo Mahari Kriens
Weltmeister Duo-System Herren 2008 in Malmö.


Philosophie und Gedankengut

Mondo

Das Wort „Mondo“ ist Japanisch und steht für „Frage und Antwort“. In Japan nennt man den Dialog zwischen dem Schüler und seinem Lehrer Mondo. Der Schüler fragt und der Lehrer gibt Antwort. Es ist eine der vier Methoden, mit welcher Jigoro Kano wollte, dass die Schüler unterrichtet werden sollen (ne­ben Ko (Lektüre), Randori und Kata)

Frage: Woher kommen die verschiedenen Gurtfarben?
Antwort: Das System mit den verschiedenen Gurtfarben, wie wir es heute kennen, gibt es noch nicht allzu lange. Bevor Jigorō Kanō das Jūdō lehrte, gab es in den Kampfkünsten nur die Schüler und einen Meister. Sobald der Meister der Meinung war, dass ein Schüler alles von ihm gelernt hat, gab er ihm ein Diplom und damit die Berechti­gung die Kampfkunst zu lehren.
Jigorō Kanō unterschied bis 1883 nur in eine Unterstufe und eine Oberstufe, welche sich durch weisse und schwarze Gürtel von einander unterschieden. Er entwickelte 1895 ein System, in welchem er für die Träger des weissen Gurtes sechs Stufen (Kyū) unterteilte. Zum Erreichen der nächsten Stufe mussten die Jūdōka die im Go-Kyo festgehaltenen Techniken kennen und ungefähr aus­führen können. Etwa zur gleichen Zeit entwickelte man im Kendō (Weg des Schwertes) ein Gradierungssystem von 10 Stufen (genannt „Dan“) Hier ging es nicht darum, für jede Stufe andere Techniken zu präsentieren, sondern die Techniken auf immer höherem Niveau auszuführen. Später wurden beide Sys­teme vereint und es wird heute in Kyū für Schüler-Stufen und Dan für Fortge­schrittenen-Stufen unterschieden.
Jigorō Kanō hat das Gradierungs-System nicht auf 10 Dan limitiert. Er hielt fest, dass es keinen Grund gäbe, wenn jemand es schaffe, noch eine höhere Qualität seines Jūdō zu erlangen, dieser Person nicht einen noch höheren Grad zu verleihen. Bisher wurde darauf aber verzichtet. Bis heute haben erst 15 Personen vom Kodōkan den 10. Dan verliehen bekommen.
Der nach Frankreich ausgewanderte Schüler Kanōs Mikinosuke Kawaishi führte in Frankreich 1930 für jeden Kyū-Grad eine eigene Farbe ein. Dieses System wird inzwischen fast überall angewendet. Im Kodōkan und vereinzeltet in wei­teren Schulen verzichtet man bei den Erwachsenen weiterhin auf diese Far­ben. Begründet wird dies oft damit, dass der Sinn in den Gradierungen nicht darin liegt, mit der höheren Kyū-Stufe angeben zu können, sie dient einzig dazu, dem Schüler selbst zu zeigen, dass er Fortschritte gemacht hat.


Das Kyu-System, wie es in den meisten Ländern der Welt heute verwendet wird:
Grad 6.Kyu 5. Kyu 4.Kyu 3. Kyu 2.Kyu 1. Kyu
Farbe weiss gelb orange grün blau braun
Name Shichi-kyū Go-kyū Yon-kyū San-kyū Ni-kyū Ichi-kyū
Die „halben“ Gradierungen für Kinder werden vorwiegend in Mitteleuropa  verwendet.

Das aktuelle Dan-System:
Grad 1. Dan 2. Dan 3. Dan 4. Dan 5. Dan 6. Dan 7. Dan 8. Dan 9. Dan 10. Dan
Farbe





















Name Sho-Dan Ni-Dan San-Dan Yon-Dan Go-Dan Roku-Dan Shichi-Dan Hachi-Dan Kyū-Dan Jū-Dan

Ichiro Abe, Yoshimi Osawa, Toshiro Daigo Die momentan einzigen Träger des 10. Dan (v. l. n. r.):
Ichiro Abe (*1923), Yoshimi Osawa (*1927), Toshiro Daigo (*1926) 


Technisches
Nage Waza
nagewaza
Katame Waza





katamewaza
Ukemi Waza






ukemiwaza
Atemi Waza
atemiwaza
Nage Waza

"Nage" bedeutet Wurf, "Waza" heisst Technik. Insgesamt gibt es fast 70 verschiedene Wurftechniken.
Diese Techniken sind im Judo entsprechend ihrer Ausführung in fünf Technik-Gruppen eingeteilt. Eine andere Einteilung ist die Go-Kyo des Kodokan, in welcher 40 Techniken entsprechend ihrer Schwierigkeit in fünf Gruppen (Go = fünf; Kyo = Stufe) eingeteilt sind.
Jeder Wurf besteht aus drei mehr oder weniger ausgeprägten und unterscheidbaren Phasen:
  1. Kuzushi: das Gleichgewicht brechen
  2. Tsukuri: den Wurf vorbereiten
  3. Kake: den Wurf ausführen

Ashi Waza (Fuss-/Beintechnik)

Ashi Waza werden mit Hilfe des Fusses bzw. des Beines ausgeführt. Es gibt Sichel-, Rad- und Fegetechniken. Bei den Sicheltechniken wird das Standbein des Partners angegriffen, bei Fegetechniken das unbelastete Bein und bei Radtechniken eines oder beide Beine blockiert. Diese Techniken erfordern eine gute Koordination der Bein- und Armbewegungen und ein genaues "Timing". Die Ashi Waza bilden die grösste Technik-Gruppe.

Die 15 wichtigsten Würfe dieser Gruppe sind:
O Soto Otoshi (grosses äusseres Fallenlassen), O Soto Gari (grosses äusseres Sicheln),
Ko Soto Gari (kleines äusseres Sicheln),
O Uchi Gari (grosses inneres Sicheln, Ko Uchi Gari (kleines inneres Sicheln), Ko Soto Gake (kleines äusseres Weghaken),
De Ashi Barai (den gehenden Fuss webwischen), Okuri Ashi Barai (senden, Beine wegwischen: beide Beine werden weggewischt),
Sasae Tsuri Komi Ashi (Fuss blockieren, fischen, aufladen), Harai Tsuri Komi Ashi (Fuss wegwischen, fischen, aufladen),
Hiza Guruma (Knie Rad), Ashi Guruma (Fuss Rad), O Guruma (grosses Rad), O Soto Guruma (grosses äusseres Rad),
Uchi Mata (innen Oberschenkel)


Koshi Waza (Hüfttechnik)

Koshi Waza werden mit Hilfe der hüfte ausgeführt. Dabei wird die eigene Hüfte durch eine schnelle Eindrehbewegung unter die Hüfte des Partners und dieser durch Zug am Ärmel und am Oberkörper
zu Fall gebracht. Diese Techniken erfordern Schnelligkeit und Beweglichkeit.

Die Gruppe umfasst folgende zehn Würfe:
Uki Goshi (schwimmende/flatternde Hüfte), O Goshi (grosse Hüfte), Harai Goshi (Hüfte wegwischen), Tsuri Goshi (Hüfte fischen),
Koshi Guruma (Hüfte Rad), Tsuri Komi Goshi (Hüfte fischen und aufladen), Hane Goshi (angesprungene Hüfte), Ushiro Goshi (rückwärts Hüfte),
Utsuri Goshi (Wechsel Hüfte), Sode Tsuri Komi Goshi (Ärmel, Hüfte fischen und aufladen)



Te Waza (Handtechnik)

Te Waza werden mit Hilfe der Hand ausgeführt. Dabei wird der Partner mit dem eigenen Körper am Ausweichen gehindert und "von Hand" zu Fall gebracht. Diese Techniken erfordern Schnelligkeit und ein gutes "Timing".

Die bekanntesten Würfe dieser Gruppe sind:
Seoi Nage (Rücken Wurf), Ippon Seoi Nage (einhändiger Rückenwurf), Tai Otoshi (Körper fallen lassen), Sukui Nage (löffelnder Wurf),
Kata Guruma (Schulter Rad), Uki Otoshi (schwimmend/flatternd fallen lassen), Sumi Otoshi (Ecke fallen lassen),
Kuchiki Taoshi (morschen Baum fällen)


Yoko Sutemi Waza (seitliche Opferwürfe)

Yoko Sutemi Waza werden ausgeführt, indem man sich, ohne den Griff zu lösen, seitwärts fallen lässt und den Partner so zu Boden reisst. Diese Techniken sind meist schwieriger auszuführen, weil sie eine gute Kontrolle des eigenen Körpers und dem des Partners erfordern. Sie sind daher erst für fortgeschrittene Budoka zu empfehlen.

Die wichtigsten Würfe dieser Gruppe sind:
Uki Waza (schwimmende/flatternde Technik), Yoko Gake (seitliches Weghaken), Yoko Otoshi (seitlich fallen lassen), Yoko Guruma (seitliches Rad),
Yoko Wakare (seiltiches Trennen),
Uchi Maki Komi (inneres Einrollen), Soto Maki Komi (äusseres Einrollen), Hane Maki Komi (angesprungenes Einrollen)


Ma Sutemi Waza (gerade Opfertechniken)

Ma Sutemi Waza werden ausgeführt, indem man sich mit seinem Schwerpunkt unter den Schwerpunkt des Partners fallen lässt und diesen über den eigenen Kopf hinweg zu Fall bringt. Diese Techniken erfordern ein Höchstmass an Selbstkontrolle und an Kontrolle über den Partner. Sie sind erst für weit fortgeschrittene Budoka zu empfehlen.

Die Würfe dieser Gruppe sind:
Tomoe Nage (wirbelnder Wurf, Kreis Wurf), Ura Nage (Wurf nach hinten), Sumi Gaeshi (entgegengesetzt werfen), Hikkomi Gaeshi,
Tawara Gaeshi (Strohballen Gegenwurf)


Kata

"Kata" bedeutet festgelegte Form.
Jigoro Kano hat diese Techniken zusammengestellt, um dem Judoka zu ermöglichen, durch das fortgesetzte Üben der Kata die technischen Grundlagen des Judo zu verstehen.

Im Kodokan-Judo, das wir auch in unserem Verein ausüben, gibt es folgende Kata:
    • Nage no kata (Formen des Werfens)
    • Katame no kata (Formen des Festlegens)
    • Kime no kata (Formen der Entscheidung)
    • Kodokan goshin jutsu (Kodokan Selbstverteidigung)
    • Ju no kata (Formen des Nachgebens)
    • Itsutsu no kata (fünf Formen)
    • Koshiki no kata (Formen der alten Art)
katakanji
Nage no kata und Katame no kata bilden zusammen die Randori no kata (Formen des freien Bewegens).

Jede Kata beginnt und endet mit einem genauestens vorgeschriebenen Zeremoniell. Bei der Ausführung der Kata zählen nebst der Korrektheit der Techniken auch die Harmonie der Partner, die Dynamik und die Ausstrahlung. Deutlich soll der Gegensatz von Aktion und Reaktion, von Ruhe und Entschlossenheit, von Angriff und Verteidigung gelernt, erlebt und gezeigt werden.


Nage no kata

Die Nage no kata besteht aus fünf Gruppen zu je drei Wurftechniken, in welchen die unterschiedlichen Wurfprinzipen veranschaulicht werden. Jede Wurftechnik wird rechts und links ausgeführt.

In der ersten Gruppe werden die Te-waza (Handtechniken) gezeigt:
    • Uki-otoshi (flatterndes fallen Lassen)
    • Seoi-nage (Schulterwurf)
    • Kata-guruma (Schulterrad)
Die zweite Gruppe umfasst die Koshi-waza (Hüfttechniken):
    • Uki-goshi (flatternde Hüfte)
    • Harai-goshi (Hüfte wegfegen)
    • Tsurikomi-goshi (Hüfte anheben und ziehen)
In der dritten Gruppe werden die Ashi-waza (Fusstechniken) demonstriert:
    • Okui-ashi-barai (beide Füsse wegfegen)
    • Sasae-tsurikomi-ashi (Fuss blockieren, anheben und ziehen)
    • Uchi-mata (innerer Oberschenkel)
Die vierte Gruppe beinhaltet die Ma-sutemi-waza (gerade Selbstfalltechniken):
    • Tomoe-nage (Kreiswurf, Bogenwurf)
    • Ura-nage (Rückwurf)
    • Sumi-gaeshi (Eckenwurf)
Die fünfte und letzte Gruppe zeigt die Yoko-sutemi-waza (seitliche Selbstfalltechniken):
    • Yoko-gake (seitliches Weghaken)
    • Yoko-guruma (Seitenrad)
    • Uki-waza (flatternde Technik)

Katame no kata

Wie die Nage no kata besteht auch die Katame no kata aus fünfzehn Techniken, die aber gemäss der Zugehörigkeit der Techniken in nur drei Gruppen eingeteilt sind. Jede Gruppe veranschaulicht ein anderes technisches Prinzip sowohl des Kontrollierens als auch der Bewegungen beim Versuch, sich aus der Kontrolle zu befreien.

Die erste Gruppe umfasst die Osaekomi-waza (Festhaltetechniken)
    • Kesa-gatame (Schärpenkontrolle)
    • Kata-gatame (Schulterkontrolle)
    • Kami-shiho-gatame (obere Vierpunktekontrolle)
    • Yoko-shiho-gatame (seitliche Vierpunktekontrolle)
    • Kuzure-kami-shiho-gatame (Variante der oberen Vierpunktekontrolle)
Die zweite Gruppe beinhaltet die Shime-waza (Würgetechniken)
    • Kata-juji-jime (einseitiges Kreuzwürgen)
    • Hakaka-jime (nacktes Würgen)
    • Okuri-eri-jime (Kragenwürgen)
    • Kataha-jime (einflügeliges Würgen)
    • Gyaku-juji-jime (umgekehrtes Kreuzwürgen)
In der dritten Gruppe schliesslich finden sich die Kansetsu-waza (Gelenk- und Hebeltechniken)
    • Ude-garami (umschlungener Armhebel)
    • Ude-hishigi-juji-gatame (Armstreckhebel in Form eines Kreuzes)
    • Ude-hishigi-ude-gatame (Armstreckhebel mit Hilfe des Arms)
    • Ude-hishigi-hiza-gatame (Armstreckhebel mit Hilfe des Knies)
    • Ashi-garami (umschlungener Beinhebel)

Kime no kata

Die Kime no kata wurde geschaffen, um die Grundlagen von Angriff und Verteidigung in realen Kampfsituationen zu unterrichten. Die Kime no kata umfasst 20 Techniken, wovon die ersten acht im Sitzen und die letzten 12 im Stehen ausgeführt werden. Alle diese Techniken sind in Situationen des normalen Lebens anwendbar, um sich gegen Angriffe zu verteidigen. Da sie Schläge auf lebenswichtige Punkte enthalten, sind sie im Randori verboten.

Erste Gruppe: Idori (kniend am Boden)
Die ersten fünf Angriffe sind ohne Waffe, bei den drei letzten Techniken greift Uke mit dem Tanto (Messer) an.
    • Ryote-dori (beide Hände ergreifen)
    • Tsukkake (gerader Fauststoss)
    • Suri-age (Handballenstoss zum Kopf)
    • Yoko-uchi (seitlicher Schlag)
    • Ushiro-dori (Fassen von hinten)
    • Tsukkomi (gerader Messerstich)
    • Kiri-komi (Messerschnitt von oben)
    • Yoko-tsuki (seitlicher Stich)
Zweite Gruppe: Tachiai (stehend)
Von diesen 12 Techniken werden die ersten 8 Angriffe wieder ohne Waffe ausgeführt, für die neunte und zehnte Technik greift Uke mit dem Tanto (Messer) an und für die beiden letzten Techniken wird zum Angriff ein Katana (Schwert) verwendet. Für Wettkämpfe (Meisterschaften) sind vom Kodokan Holzwaffen (Holz-Tanto und Bokken) vorgeschrieben.
    • Ryote-dori (beide Hände ergreifen)
    • Sode-tori (Ärmel greifen)
    • Tsukkake (gerader Fauststoss)
    • Tsuki-age (Aufwärtshaken)
    • Suri-age (Handballenstoss zum Kopf)
    • Yoko-uchi (seitlicher Schlag)
    • Ke-age (Aufwärtstritt)
    • Ushiro-dori (Fassen von hinten)
    • Tsukkomi (gerader Messerstich)
    • Kiri-komi (Messerschnitt von oben)
    • Nuki-gake (Ziehen des Schwertes)
    • Kiri-oroshi (Schnitt von oben)

Kodokan goshin jutsu

Kodokan goshin jutsu ist die einzige dieser Formen, die nicht von Jigoro Kano als Kata bezeichnet wurde. Darum steht dieser Ausdruck nicht im Titel. Eingeführt wurde Kodokan Goshin Jutsu 1956. Es ist eine Zusammenstellung von 21 Selbstverteidigungstechniken. 12 davon zeigen Abwehrtechniken gegen einen unbewaffneten Angreifer, neun gegen einen bewaffneten. Die verwendeten Waffen sind aus Holz.

Angriffe ohne Waffen
Die ersten sieben Angriffe sind aus der Nähe, die nächsten fünf aus der Distanz.
    • Ryote-dori (beide Hände ergreifen)
    • Hidari-eri-dori (linkes Revers ergreifen)
    • Migi-eri-dori (rechtes Revers ergreifen)
    • Kata-ude-dori (Ergreifen eines Armes)
    • Ushiro-eri-dori (Ergreifen des hinteren Revers)
    • Ushiro-jime (Würgen von hinten)
    • Kakae-dori (Umklammerung)
    • Naname-uchi (diagonaler Schlag)
    • Ago-tsuki (Fauststoss zum Kinn)
    • Ganmen-tsuki (Fauststoss zum Gesicht)
    • Mae-geri (Tritt nach vorne)
    • Yoko-geri (Tritt zur Seite)
Angriffe mit Waffen
Die ersten drei Angriffe werden mit dem Messer ausgeführt, die zweiten drei mit einem Stock und die letzten drei mit Pistole.
    • Tsukkake (Stich)
    • Choku-tsuki (Gerader Stich)
    • Naname-tsuki (diagonaler Messerstich)
    • Furi-age (zum Schlag ausholen)
    • Furi-oroshi (Schlag nach unten)
    • Morote-tsuki (beidhändiger Stich)
    • Shomen-zuke (Pistole auf der Vorderseite aufgesetzt)
    • Koshi-gamae (Pistole in Hüfthaltung)
    • Haimen-zuke (Pistole auf der Rückseite aufgesetzt)

Ju no kata

Ju no kata wird häufig auch mit "Sanfte Formen" übersetzt. Ziel der Ju no kata ist zu beweisen, dass Geschmeidigkeit die Kraft besiegt. "Sanft" bedeutet in diesem Fall nicht, ohne Energie zu üben, sondern das Aufgeben des Angreifers, sobald er merkt, dass er verloren hat. Der Ausdruck von Harmonie und Entschlossenheit entsteht durch den ständigen Wechsel von Spannung und Entspannung. Der angreifenden Kraft soll Widerstand entgegengesetzt werden.
Die Ju no kata kann überall und jederzeit ausgeführt werden, da Uke nie fällt; es sind nicht einmal spezielle Judokleider dazu notwendig. Die Ju no kata lehrt das Konzept des Ju und trainiert den Körper. Anhand der Ju no kata kann jedermann die Judotheorie erlernen, unabhängig von Alter und Konstitution.
Die Ju no kata ist in drei Gruppen zu je fünf Techniken eingeteilt. Die einzelnen Gruppen haben keine speziellen Namen.
    • Tsuki-dashi (stossen)
    • Kata-oshi (Schulter drücken)
    • Ryote-dori (beide Hände ergreifen)
    • Kata-mawashi (Schulter drehen)
    • Ago-oshi (Kinn drücken)

    • Kiri-oroshi (Schnitt von oben)
    • Ryokata-oshi (Druck auf beide Schultern)
    • Naname-uchi (diagonaler Schlag)
    • Katate-dori (eine Hand ergreifen)
    • Katate-age (eine Hand hochheben)

    • Obi-tori (den Gürtel ergreifen)
    • Mune-oshi (die Brust stossen)
    • Tsuki-age (Aufwärtshaken)
    • Uchi-oroshi (Schlag von oben)
    • Ryogan-tsuki (Stich in beide Augen)

Itsutsu no kata

Itsutsu no kata wurde von Jigoro Kano nie fertig gestellt. Das ist der Grund, weshalb die fünf Techniken keine Namen haben. Sie stellen Naturgewalten dar, wie die Kraft des Wassers, der Wellen, des Windes oder der Gestirne. Die beiden ersten gleichen Jujutsu-Techniken der Tenshin Shinyo-Schule. Die drei weiteren sind vom Charakter her völlig anders, als was bisher aus dem früheren Jujutsu bekannt ist.


Koshiki no kata

Dies ist die einzige Kata, die Jigoro Kano nicht selbst geschaffen, sondern von einer alten Schule - der Kitoryu -  übernommen hat. Er hat die Techniken teilweise leicht verändert und sie als Koshiki no kata ins Kodokan-Judo aufgenommen. Die 21 Techniken sind zwei Gruppen zugeordnet: Omote umfasst 14 Techniken, Ura deren sieben. Diese Kata erlaubt Einsichten in die Ursprünge des Judo.
Ursprünglich wurde diese Kata in Rüstungen ausgeführt, was die etwas schwerfällig und steif scheinenden Bewegungen begründet.


Omote (Vorderer Teil)
    • Tai (Bereitschaft)
    • Yume no uchi (inmitten eines Traumes)
    • Ryokuhi (der Kraft ausweichen)
    • Mizu-guruma (Wasserrad)
    • Mizu-nagare (das Fliessen des Wassers)
    • Hiki-otoshi (ziehen und fallen lassen)
    • Ko-daore (ins Leere fallen)
    • Uchi-kudachi (zerschmettern)
    • Tani-otoshi (Talfallzug)
    • Kuruma-daore (umfallen eines Rades)
    • Shikoro-dori (fasen des Genickschutzes)
    • Shikoro-gaeshi (umdrehen des Genickschutzes)
    • Yudachi (Regenschauer)
    • Taki-otoshi (Sturz des Wasserfalls)
Ura (Hinterer Teil)
    • Mi-kudachi (zerschmettern des Körpers)
    • Kuruma-gaeshi (Radwurf)
    • Mizu-iri (eintauchen ins Wasser)
    • Ryusetsu (Schnee auf dem Weidenbaum)
    • Saka-otoshi (ungestümer Fall)
    • Yuki-ore (Schneebruch)
    • Iwa-nami (Welle am Felsen)



Quelle/Literaturhinweis: Kano, Jigoro: Kodokan Judo. Herausgegeben unter der Aufsicht des Kodokan Redaktionsausschusses, übersetzt von Dieter Born. Bonn, Verlag Dieter Born (2007) (ISBN 987-3-922006-25-1), S. 144 ff